Tatstatur in schwarz mit Returntaste, auf der die italienische Flagge zu sehen ist als Symbol für Dolce Vita und die Arbeitswelt

Dolce Vita und die Arbeitswelt. Ein Widerspruch?

Vielleicht kennst du diese Tage, an denen du schon morgens das Gefühl hast, hinterherzulaufen. Noch bevor du richtig im Arbeitstag angekommen bist, geht im Kopf die Liste los: Was muss heute unbedingt erledigt werden? Wen darf ich nicht vergessen? Wo muss ich noch einmal nachhaken? Und was, wenn ich nicht alles schaffe?

Also arbeitest du dich durch deine Aufgaben. Die Pause wird etwas kürzer, das Mittagessen findet vielleicht nebenbei statt und wenn am Nachmittag kurz Luft wäre, fällt dir bestimmt noch etwas ein, das du „schnell noch“ erledigen könntest. Schließlich bist du verantwortungsvoll, zuverlässig und engagiert.

Eigentlich sind das wunderbare Eigenschaften. Schwierig wird es nur, wenn daraus irgendwann das Gefühl entsteht, „ständig funktionieren zu müssen“. Wenn du dir erst Ruhe erlaubst, wenn alles erledigt ist. Wenn du bei einer Pause schon wieder an die nächste Aufgabe denkst oder wenn sich ein entspannter Arbeitstag fast verdächtig anfühlt, weil du insgeheim glaubst: „So leicht kann es doch nicht gehen.“

Genau deshalb möchte ich heute über Dolce Vita und die Arbeitswelt schreiben.

Denn für mich bedeutet Dolce Vita nicht, den halben Arbeitstag mit Cappuccino in der Sonne zu verbringen. Es geht um etwas anderes:

Darum, gute Arbeit zu leisten, ohne dich dabei selbst zu verlieren.

Warum ich lange glaubte, Arbeit müsse anstrengend sein

Über viele Jahre war ich in einem anspruchsvollen beruflichen Umfeld tätig. Ich war engagiert und zuverlässig. Lange glaubte ich, dass genau das eben dazugehört: volle To-do-Listen, wenig echte Pausen, immer noch etwas mehr geben. Ich funktionierte, vor allem nach außen sogar ziemlich gut.

Innerlich sah es anders aus. Anspannung, innere Unruhe und Ängste haben mich viele Jahre begleitet.

Heute weiß ich, dass dabei auch meine inneren Regeln eine Rolle gespielt haben, die für mich damals ganz selbstverständlich waren:

„Ich muss für mein Geld hart arbeiten und immer noch etwas mehr geben.“

„Sei stark und halte durch.“

„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“

Vielleicht kommt dir davon etwas bekannt vor, aber es gibt noch viele andere solcher Regeln und nachher komme ich darauf nochmal zurück.

Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich verstanden habe: „Gut und engagiert arbeiten muss nicht bedeuten, ständig unter Strom zu stehen und Entspannung zwischendurch ist kein Zeichen dafür, dass ich es mir zu leicht mache.

Was Dolce Vita im Arbeitsleben für mich bedeutet

Wenn wir Dolce Vita hören, entstehen schnell Bilder von Italien, Sonne, Cappuccino und einem langen Mittagessen irgendwo auf einer Piazza. Herrlich. Nehme ich sofort.

Für mich ist aber die Haltung dahinter viel interessanter:  die einfachen Dinge im Leben genießen und sich nicht zu ernst nehmen. Einfach Mal zu Ruhe kommen, die Seele baumeln lassen und sich das Leben zu versüßen. Der wichtigste Aspekt dabei ist, ohne Schuldgefühle ganz in dem Moment zu sein.

Dolce Vita bedeutet für mich auch, das Leben nicht ständig auf später zu verschieben.

Nicht immer zu denken: „Wenn ich meine To-do-Liste abgearbeitet habe, kann ich entspannen.“ oder  „Wenn ich dieses Ziel erreicht habe, kann ich endlich zufrieden sein.“ Denn wahrscheinlich kennst du das: Kaum ist die eine stressige Phase vorbei, steht die nächste schon vor der Tür.

Dolce Vita im Job heißt für mich deshalb, auch mitten im ganz normalen Arbeitstag noch Teil des eigenen Lebens zu sein. Das Mittagessen wirklich zu schmecken, einen Kaffee nicht nur als Treibstoff zwischen zwei Terminen zu trinken, mit einem Kollegen zu lachen oder eine Aufgabe abzuschließen und kurz wahrzunehmen: „Das habe ich gut gemacht.“

Das sind nur kleine Dinge, aber genau aus diesen kleinen Dingen besteht unser Leben.

Warum es so schwer sein kann, sich Leichtigkeit zu erlauben

Die meisten Menschen wissen längst, dass ihnen Dauerstress nicht guttut und wahrscheinlich brauchst auch du keinen weiteren Blogartikel, der dir erklärt, dass Pausen sinnvoll sind und ein Spaziergang an der frischen Luft guttun kann.

Die spannendere Frage lautet:

Warum tun wir das, was uns guttut, trotzdem oft nicht?

Ein Grund können innere Überzeugungen sein, die uns schon lange begleiten. Meine kennst du bereits und vielleicht sind hier deine Gedanken dabei:

  • Ich muss erst alles erledigt haben, bevor ich entspannen darf.
  • Ich möchte niemanden enttäuschen.
  • Andere schaffen das schließlich auch
  • Ich darf keine Fehler machen.
  • Was denken die anderen, wenn ich Grenzen setze?
  • Ich muss das im Griff haben.

Solche Gedanken laufen oft so selbstverständlich im Hintergrund, dass wir sie kaum noch bemerken.

Dann sitzt du vielleicht endlich mit einer Tasse Kaffee auf dem Balkon. Dein Körper ist dort, aber dein Kopf sitzt noch am Schreibtisch.

Du hast frei und überlegst, was du noch Sinnvolles erledigen könntest.

Oder du machst früher Feierabend (war für mich früher undenkbar) und ein Teil von dir findet, dass du eigentlich noch etwas hättest schaffen können.

Dann fehlt nicht unbedingt die Zeit für eine Pause, vielmehr fällt es dir schwer, innerlich wirklich aus dem Funktionieren auszusteigen. No stress, das kannst du verändern.

Du musst deine Erholung nicht mit mehr Produktivität rechtfertigen

Manchmal machen wir selbst aus Erholung wieder ein Leistungsprojekt.

  • Wir machen Pause, damit wir anschließend konzentrierter arbeiten.
  • Wir meditieren, damit wir produktiver werden.
  • Wir gehen spazieren, damit wir danach wieder mehr schaffen.

Natürlich kann Erholung dazu beitragen, dass wir uns klarer und kraftvoller fühlen, aber das darf nicht der einzige Grund sein. Du musst deine Pause nicht durch eine höhere Produktivität rechtfertigen.

Du darfst einen schönen Moment genießen, ohne daraus einen Nutzen machen zu müssen und du darfst Feierabend haben, obwohl noch etwas auf deiner To-do-Liste steht. Denn seien wir ehrlich: Irgendetwas steht fast immer darauf.

Verantwortung und Leichtigkeit dürfen gleichzeitig existieren

Ich mag es selbst, Dinge gut zu machen und ich halte viel von Verantwortung, Zuverlässigkeit und Engagement. Die Frage ist nur:

Müssen wir dafür ständig angespannt sein?

Muß alles immer perfekt sein oder reicht auch Mal „gut genug“?

Du kannst Verantwortung übernehmen, ohne dich für alles und jeden verantwortlich zu fühlen, du kannst gute Arbeit leisten, ohne dir bei jeder Aufgabe beweisen zu müssen, dass du gut genug bist und du kannst engagiert sein, ohne dich selbst dabei aus den Augen zu verlieren.

Mehr Dolce Vita beginnt nicht mit einer perfekten Morgenroutine

Wie bekommst du nun etwas mehr davon in einen Arbeitstag, der vielleicht ohnehin schon voll ist? Nicht zwangsläufig, indem du deinen Tagesablauf noch weiter optimierst. Manchmal beginnt Veränderung damit, überhaupt wahrzunehmen, wo du dir selbst zusätzlichen Druck machst.

Du könntest dich zwischendurch fragen:

  • Was stresst mich gerade tatsächlich?
  • Was passiert im Außen und was mache ich gedanklich zusätzlich daraus?
  • Muss das wirklich heute erledigt werden?
  • Versuche ich gerade, etwas perfekt zu machen, obwohl „gut genug“ längst reichen würde?
  • Sage ich Ja, obwohl ich eigentlich Nein meine?
  • Was würde mir gerade guttun?

Und du könntest ab und zu kurz innehalten. Vielleicht gehst du kurz vor die Tür, isst dein Mittagessen nicht vor dem Bildschirm oder du trinkst deinen Kaffee tatsächlich warm.

Für manche Arbeitstage ist das schon beinahe Dolce Vita in seiner reinsten Form.

Wenn selbst Nichtstun dich unruhig macht

Auch das gibt’s und ich kenne das. Vielleicht möchtest du zur Ruhe kommen und merkst, dass genau das gar nicht so leicht ist, denn sobald nichts zu tun ist, wirst du unruhig und dein Kopf sucht sich das nächste Thema, denn deine Zeit muss ja sinnvoll genutzt werden.

Wenn du über Jahre daran gewöhnt bist, viel zu leisten und dich um alles Mögliche zu kümmern, verschwindet diese innere Anspannung nicht automatisch, nur weil du dich auf ein Sofa setzt. Manchmal müssen wir erst wieder lernen, Ruhe auszuhalten. Mir hat dabei Progressive Muskelentspannung zu Beginn sehr geholfen. Es hat nicht sofort gewirkt, aber mit der Zeit hat sich Ruhe wieder gut angefühlt.

Dabei hilft Druck und ein „jetzt entspann dich doch endlich“ wenig. Sei geduldig mit dir und versuche es immer wieder ohne ein Ergebnis zu erwarten oder zu bewerten.

Die Frage: „Was passiert eigentlich in mir, wenn ich gerade einmal nichts leisten muss?“ Kann dir interessante Hinweise auf deine eigenen Stressmuster geben.

Nicht jeder Stress lässt sich mit einer Kaffeepause lösen

Nicht jeder Stress entsteht in unserem Kopf. Zu viele Aufgaben, Personalmangel, ständige Erreichbarkeit, Konflikte, schwierige Führung oder dauerhaft belastende Arbeitsbedingungen lassen sich nicht mit einer positiven Einstellung oder einer Atemübung einfach so lösen.

Manchmal braucht es Veränderungen im Außen und trotzdem lohnt es sich, auf den eigenen Handlungsspielraum zu schauen:

Wo brauche ich eine Grenze?

Wo darf ich meine Erwartungen an mich selbst überprüfen?

Was kann ich verändern und was liegt nicht in meiner Verantwortung? Gerade diese Unterscheidung kann entlasten.

Dolce Vita und Arbeitswelt: Vielleicht passt es doch zusammen

Früher dachte ich oft, ich könne entspannter werden, wenn die äußeren Umstände endlich ruhiger sind. Heute sehe ich das anders. Das Leben wird vermutlich nie dauerhaft frei von Aufgaben, Herausforderungen oder stressigen Phasen sein, deshalb möchte ich mein Leben nicht auf den Zeitpunkt verschieben, an dem endlich alles erledigt ist. Ich möchte …

weniger gegen mich selbst arbeiten und trotzdem engagiert bleiben

früher merken, wann es zu viel wird, statt zu versuchen, noch belastbarer zu werden

Ziele haben, aber das Leben nicht erst hinter diesen Zielen beginnen lassen

Vielleicht müssen wir uns gar nicht zwischen Erfolg und Lebensfreude entscheiden, wenn wir die Leichtigkeit nicht völlig aus unserem Leben verschwinden lassen, nur weil gerade viel zu tun ist.

Und vielleicht möchtest du das auch und dein persönliches Dolce Vita beginnt heute nicht irgendwo in Italien, sondern mit einer Tasse Kaffee, die du wirklich in Ruhe trinkst.

Ohne schlechtes Gewissen, einfach so ☕️

für mehr Dolce Vita für deinen Arbeitsalltag

Wenn du ausprobieren möchtest, wie sich kleine bewusste Pausen in deinem eigenen Alltag anfühlen, habe ich etwas für dich.

Meine  „14 Mini-Rituale, die den Arbeitstag leichter machen“ und das dazugehörige „7-Tage-Experiment“ helfen dir dabei, mehr Ruhe, Genuss und kleine Pausen in deinen Arbeitstag zu bringen, ohne daraus gleich die nächste Aufgabe auf deiner To-do-Liste zu machen.

Du kannst in Ruhe herausfinden, welche kleinen Rituale zu dir passen und was dir persönlich wirklich guttut.

Workbook und Poster zum Download für 0 €. Mehr Infos dazu hier über diesen Link.

Diese Beiträge könnten dir auch gefallen:

Manuela Paolini - Angstcoach mit dem Dolce Vita Prinzip

Ich bin Manuela

Dein Coach mit Herz, wenn du unter Ängsten und Stress im Job leidest und du wieder Gelassenheit & Leichtigkeit in dein Leben bringen möchtest. Mehr Dolce Vita Momente!

Folge mir auf Instagram