Gelassenheit im Chaos

Eine kleine Szene aus Verona erinnert daran, wie viel Ruhe, Freundlichkeit und innere Klarheit im Alltag verändern können und wie echte Gelassenheit wirkt.

Wie ein Busfahrer in Verona mir gezeigt hat, was echte innere Ruhe bewirkt

Neulich in Verona: Buschaos.

Vor uns steckte ein anderer Bus fest, weil ein kleiner Fiat 500 so unglücklich in einer Kurve parkte, dass plötzlich nichts mehr ging. Weder vor noch zurück. Italienisches Verkehrsdrama in seiner schönsten Form.

Man hätte diese Situation sofort als typischen nervigen Moment abstempeln können: eng, laut und alles andere als entspannt. Stillstand mitten auf der Straße, während alle irgendwohin wollten. Ein klassischer Augenblick, in dem sich schlechte Stimmung in Sekundenschnelle ausbreiten kann.

Doch es passierte etwas ganz anderes.

Unser Busfahrer, ein kleinerer, etwas rundlicher Mann mit großen braunen Augen, stand auf, drehte sich zu uns um und erklärte ganz freundlich die Situation. Kein Augenrollen, genervtes Seufzen und kein „Das hat mir gerade noch gefehlt“. Keine Spur von diesem Ton, der sofort allen signalisiert hätte: So, jetzt ist die schlechte Stimmung eröffnet.

Stattdessen sagte er ganz ruhig, dass er seinem Kollegen jetzt erst einmal helfen müsse, damit es für alle weitergehen könne. Er bat uns um Verständnis, stieg aus und machte sich auf den Weg.

Und das Erstaunliche war, was dadurch im Bus entstand.

Niemand schimpfte, keine gereizten Blicke und auch kein Gemecker wegen der Verzögerung. Die Menschen blieben ebenfalls ruhig und beobachteten geduldig und plaudernd, wie unser Fahrer mit etwas Zeit tatsächlich den anderen Bus aus der misslichen Lage manövrierte. Als unser Fahrer zurückkam, wurde er sogar von den Fahrgästen mit einem respektvollen „grande!“ gefeiert. Er strahlte über das ganze Gesicht.

Diese Szene zeigt etwas so Schönes und gleichzeitig Wesentliches:

Gelassenheit zeigt sich nicht dann, wenn alles rundläuft, sondern dann, wenn es das nicht tut.

Wir alle wünschen uns innere Ruhe. Wir sehnen uns nach einem Gefühl von Balance, nach mehr Leichtigkeit, nach einem Alltag, der sich nicht ständig so voll und anstrengend anfühlt und oft glauben wir, dass Gelassenheit irgendwann ganz von allein kommt, wenn im Außen endlich alles besser sortiert ist.

  • Wenn die To-do-Liste kürzer ist.
  • Wenn die anderen weniger fordernd sind.
  • Wenn nichts Ungeplantes dazwischenkommt.
  • Wenn, bildlich gesprochen, kein Fiat 500 in der Kurve steht.

Nur hat das Leben bekanntlich eine gewisse Schwäche für genau solche Fiats.

Es bringt Verzögerungen, Missverständnisse und Umwege mit einer Regelmäßigkeit in unseren Tag, die fast schon persönlich wirkt. Und meistens sind es nicht einmal die großen Krisen, die uns aus dem Gleichgewicht bringen. Es sind die kleinen Dinge: das, was unseren Plan stört oder das, womit wir gerade nicht gerechnet haben.

  • Eine E-Mail, die alles durcheinanderbringt.
  • Ein Termin, der länger dauert als gedacht.
  • Technik, die ausgerechnet im falschen Moment nicht funktioniert.
  • Ein Mensch, der anders reagiert, als wir es uns gewünscht hätten.
  • Ein Tag, der plötzlich nicht mehr so läuft, wie wir ihn innerlich schon durchgetaktet hatten.

Nach außen wirken diese Dinge oft harmlos, aber innerlich können sie erstaunlich viel auslösen.

Denn häufig stresst uns nicht nur das, was passiert, sondern vor allem das, was wir sofort daraus machen. Unsere innere Reaktion ist oft blitzschnell da.

  • „Das darf jetzt nicht wahr sein.“
  • „Warum ausgerechnet heute?“
  • „Das bringt meinen ganzen Tag durcheinander.“
  • „Ich kann mir das gerade nicht leisten.“

Und schon wird aus einer kleinen Störung ein ganzer Opernabend.

Hier beginnt echte Gelassenheit

Echte Gelassenheit zeigt sich in dem Moment, in dem wir aufhören, innerlich sofort gegen das anzukämpfen, was längst da ist.

Das ist nicht immer leicht. Vor allem dann nicht, wenn wir müde sind, unter Druck stehen oder ohnehin schon viel tragen. Natürlich wünschen wir uns, dass Dinge funktionieren und unser Tag planbar bleibt, denn Kontrolle gibt uns ein Gefühl von Sicherheit.

Aber das Leben hält sich nun einmal nicht immer an unsere Pläne. Es ist lebendig und Lebendigkeit bedeutet Bewegung. Nicht alles ist vorhersehbar und kontrollierbar. Gerade deshalb ist Gelassenheit so kostbar.

Gelassenheit ist für mich keine Gleichgültigkeit, sondern eine innere Haltung, die man lernen kann und jeden Tag lebt. Eine Entscheidung, die wir manchmal mitten im Ungeordneten treffen dürfen. Es bedeutet flexibel zu bleiben, wenn die Realität gerade nicht dem Plan entspricht. In solchen Momenten braucht es Ruhe, Improvisation, Flexibilität und Pragmatismus.

Was wir von dieser Szene lernen können

Der Busfahrer in Verona hat mich genau daran erinnert. Er blieb ruhig, freundlich und klar und machte aus der Situation kein zusätzliches Drama. Er verschwendete keine Energie und blieb bei dem, was gerade möglich und nötig war.

Vielleicht ist genau das der Zugang zu innerer Balance: nicht zuerst zu fragen, warum etwas jetzt gerade so schwierig ist, sondern was dieser Moment jetzt von mir braucht.

Noch mehr Widerstand und Aufregung oder einen ruhigen Atemzug, einen klaren Blick und den nächsten sinnvollen Schritt?

Ich glaube, wir unterschätzen oft, wie sehr unsere Haltung wirkt. Ruhe, Freundlichkeit und Klarheit wirken, nicht nur auf uns selbst, sondern auch auf andere Menschen in unserem Umfeld.

Genauso wie ein genervter Ton ansteckt. Hektik und innere Unruhe übertragen sich oft schneller, als uns lieb ist, aber genauso überträgt sich auch das Gegenteil. Wenn jemand in einer stressigen Situation ruhig und präsent bleibt, verändert das oft den ganzen Raum.

Vielleicht war genau das in diesem Bus passiert. Nicht die Situation war angenehm. Nein, sie war immer noch nervig, aber der Umgang damit war anders und genau dadurch blieb auch die Stimmung entspannt.

Eine gelassene „Dolce Vita-Haltung“ beginnt mitten im echten Leben

Für mich ist das ein schönes Bild für den Alltag, denn unser persönlicher „Fiat in der Kurve“ begegnet uns nicht nur auf Reisen in Italien. Er taucht überall auf. Im Beruf, in Beziehungen, im Familienalltag, kurz in all den Momenten, in denen etwas hakt oder schiefläuft.

Und immer wieder stehen wir vor derselben wichtigen Frage:

Mache ich es mir innerlich gerade noch schwerer, als es ohnehin schon ist oder könnte ich einen anderen Umgang damit wählen?

Vielleicht beginnt genau dort diese Dolce-Vita-Haltung, von der ich so gerne spreche. Nicht nur auf einer sonnigen Piazza mit Aperitivo in der Hand (kann doch jeder), sondern mitten im echten Leben. Dann, wenn gerade gar nichts nach Leichtigkeit aussieht.

Echte Gelassenheit bedeutet für mich nicht, dass immer alles leicht ist oder wir uns unangenehme Dinge schönreden. Es bedeutet eher: Ich muss nicht jedes äußere Chaos innerlich verdoppeln.

Innere Balance zeigt sich darin, dass du auch dann bei dir bleiben kannst, wenn es gerade nicht leicht ist. Dass du dir selbst inmitten von Störungen, Verzögerungen und ungeplanten Wendungen nicht auch noch zusätzlich Druck machst. Dass du freundlich mit dir und anderen bleiben kannst, während das Leben gerade etwas anderes tut, als du gehofft hattest.

Genau das ist eine unglaublich kraftvolle Form von Gelassenheit.

Zwei Fragen zum Mitnehmen

Vielleicht magst du dich heute einmal fragen:

Wo machst du dir den Stress noch stressiger, weil du innerlich dagegen ankämpfst?

Wo könntest du stattdessen mit etwas mehr Ruhe, etwas mehr Klarheit und einer Prise Dolce Vita reagieren?

Denn manchmal beginnt Dolce Vita genau dort, wo gerade gar nichts „dolce“ aussieht.

P.S.: Wenn du spürst, dass du auf dem Weg zur Gelassenheit Unterstützung brauchst, weil Stress dich durch’s Leben schiebt, dann lass uns bei einem virtuellen Cappuccino sprechen und wir schauen gemeinsam, ob und wie ich dir helfen kann. Hier geht’s zum virtuellen Cappuccino für 0 Euro.

P.P.S.: Wenn du mehr über Gelassenheitsverhinderer wissen möchtest, lese gerne meinen Blog-Beitrag zum Thema Stressbeschleuniger: deine inneren Antreiber, die dich unbewusst steuern und oft mehr Druck machen, als dir guttut. Hier findest du den Link zum Artikel.

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Manuela Paolini - Angstcoach mit dem Dolce Vita Prinzip

Ich bin Manuela

Dein Coach mit Herz, wenn du unter Ängsten und Stress im Job leidest und du wieder Gelassenheit & Leichtigkeit in dein Leben bringen möchtest. Mehr Dolce Vita Momente!

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