Dein Job ist auch Lebenszeit
Wieviel Sinn muss ein Job eigentlich haben? Muss er uns erfüllen, begeistern und jeden Morgen mit einem inneren „YES!!!“ aus dem Bett springen lassen? Sinn im Job finden heißt für mich nicht automatisch, die große Berufung zu entdecken. Oft geht es um viel einfachere Fragen.
Eine Begegnung auf Sardinien
Auf Reisen begegnen mir immer wieder Menschen, die mir im Gedächtnis bleiben. So war es auch dieses Jahr in Cagliari auf Sardinien.
In unserer Unterkunft arbeitete eine Service-Kraft, die mir sofort aufgefallen war. Eine sardische Frau mittleren Alters mit einer so positiven Ausstrahlung, dass man gar nicht anders konnte, als selbst noch besser gelaunt zu werden. Sie war offen und herzlich. Immer hatte sie ein Lächeln im Gesicht und wirkte schon fast so, als hätte sie innerlich die Sonne Sardiniens abonniert.
Eines Morgens kamen wir ins Gespräch und ich sagte ihr, wie schön ich ihre freundliche Art finde. Dabei erzählte sie mir, dass es sie glücklich macht, wenn sich die Gäste wohlfühlen. Mit ihrer Arbeit möchte sie dazu beitragen, dass der Aufenthalt für die Gäste in ihrer geliebten Stadt schöner und angenehmer wird.
Von außen betrachtet könnte man sagen: Sie räumt Zimmer auf und macht sauber. Eine Arbeit, die ich sehr schätze, aber vermutlich kein Job, bei dem viele Menschen sofort an Selbstverwirklichung oder Berufung denken. Doch für sie war es mehr. Sie sah, was ihre Arbeit für andere bewirkte. Sie sorgte dafür, dass Menschen sich wohlfühlen. Mit ihrer herzlichen Art machte sie schon morgens den Tag für jeden Gast ein kleines bisschen schöner.
Sinn im Job muss nicht groß aussehen
Wenn wir über Sinn im Beruf reden, denken wir schnell an große Dinge, wie die Welt verändern oder etwas Besonderes schaffen. Doch Sinn kann viel unscheinbarer sein. Manchmal liegt er darin, wie wir unsere Arbeit sehen und darin, wie wir sie machen.
Vielleicht ist dein jetziger Job nicht dein Lebenstraum und du springst nicht morgens aus dem Bett und denkst: „Juhu, endlich wieder Meetings und 47 ungelesene E-Mails.“ Es ist vermutlich eher so, dass es Tage gibt, die dir Spaß machen (hoffentlich!) und dann gibt es die anderen Tage. Tage, an denen ein beruflicher Neustart als Zitronenbäuerin in Italien plötzlich gar nicht mehr so verrückt klingt.
Vielleicht kennst du auch Abende, an denen du viel geschafft hast und trotzdem fühlt es sich nicht gut an. Du hast funktioniert und erledigt. Mehr aber auch nicht.
Das heißt aber noch lange nicht, dass deine Arbeit keinen Sinn hat.
Wie kann ich Sinn im Job finden?
Eine gute Frage dafür lautet: „Was wird durch meine Arbeit möglich?“
Wir schauen im Arbeitsalltag meist zuerst auf unsere Aufgaben wie E-Mails beantworten, Telefonate führen, Zahlen prüfen, Abläufe organisieren … Genau diese Dinge stehen ja auch auf unserer To-do-Liste.
Doch hinter jeder Aufgabe steckt meist mehr:
- Vielleicht beantwortest du Kundenanfragen, damit gibst du Menschen Orientierung.
- Vielleicht erstellst du Tabellen, dadurch können andere leichter eine gute Entscheidung treffen.
- Vielleicht hältst du einen Prozess am Laufen, so kann sich dein Team oder dein Vorgesetzter auf seine Arbeit konzentrieren.
- Vielleicht führst du Gespräche und danach fühlt sich jemand gehört und ernst genommen.
All das hat eine Wirkung. Der Sinn unserer Arbeit liegt deshalb nicht immer WAS. Oft steckt er im WOFÜR und manchmal auch im WIE.
Wenn im Job nur noch die To-do-Liste zählt
Der nächste Termin wartet, eine Mail ploppt auf und jemand braucht noch schnell etwas von dir. Eigentlich wolltest du schon längst mit einer anderen Aufgabe fertig sein. Also arbeitest du weiter, noch schneller und hast nur noch den Gedanken „Das muss alles noch heute fertig werden“. Die Frage, wofür du das alles machst, verschwindet zwischen Kalender und Posteingang.
Das passiert ganz schnell. Vor allem, wenn du zuverlässig bist und Verantwortung übernimmst. Du machst weiter und kümmerst dich, denn es muss ja alles getan werden. Irgendwann besteht der Arbeitstag gefühlt nur noch aus Aufgaben, dabei hat deine Arbeit Wirkung auf andere Menschen. Vielleicht machst du etwas klarer, sorgst für Sicherheit, löst Probleme oder hältst anderen den Rücken frei. Möglicherweise hast du genau das im Alltag aus den Augen verloren.
Was Sinn in der Arbeit verändern kann
Sinn wirkt wie ein Anker. Wenn du weißt, wofür du morgens aufstehst, gehst du motivierter und selbstbewusster in den Tag. Das bedeutet nicht, dass sich plötzlich jede Aufgabe leicht oder ein Meeting automatisch wie ein Kurzurlaub auf Sardinien anfühlt. Schade eigentlich.
Aber es macht einen Unterschied, ob du denkst: „Ich arbeite hier nur meine Sachen ab“ oder ob du weißt, „Mit meiner Arbeit trage ich zu etwas bei“. Das kann verändern, wie du deinen Job erlebst.
Du siehst wieder, wofür du etwas machst und erkennst deinen eigenen Beitrag. Vielleicht fühlst du dich dadurch deiner Arbeit wieder näher. Gerade, wenn du dich schon länger fragst, warum du, obwohl du viel geschafft hast, so wenig Zufriedenheit spürst, kann die Frage „Weiß ich noch, wofür ich das alles hier mache?“ hilfreich sein.
Die 2 Fragen, mit denen du mehr Sinn im Job entdecken kannst
- Wem dient meine Arbeit?
Für wen wird durch deine Arbeit etwas leichter? Wer kann seine Arbeit besser machen, weil du deine machst? Wem gibts du Unterstützung, Sicherheit oder Orientierung? - Was bewirke ich jenseits meiner Stellenbechreibung?
Schau nicht nur auf das, was du erledigst. Schau auf das, was dadurch entsteht.
Du kannst dafür einen Satz vervollständigen: Ich helfe/schaffe/bin …, damit … oder einfacher: Durch meine Arbeit ermögliche ich …
Vielleicht ist deine Antwort: „Durch meine Arbeit ermögliche ich meinem Team, gute Entscheidungen zu treffen“ oder „ich helfe Menschen, ein Problem zu lösen“. Vielleicht bringst du Ruhe in schwierige Situationen oder sorgst jeden Tag dafür, das etwas funktioniert, was für andere selbstverständlich ist.
Es muss nichts Großes sein. Es muss nur für dich wahr sein.
Sinn im Job finden heißt nicht, einen schlechten Job schönzureden
Dabei gibt es aber noch etwas, was mir wichtig ist. Mehr Sinn in der eigenen Arbeit zu suchen heißt nicht, dass du dir schlechte Arbeitsbedingungen schönreden solltest. Es gibt einfach Jobs, die nicht mehr passen und Momente, in denen ein Wechsel genau richtig sein kann. Dann reicht ein neuer Blickwinkel nicht.
Sinn macht aus einem schlechten Umfeld kein gutes, aber nicht jede Unzufriedenheit bedeutet automatisch, dass du sofort alles hinschmeißen musst. Manchmal lohnt es sich zu schauen, was im Alltag verloren gegangen ist, wie z.B. das Gefühl, dass dein Tun einen Unterschied macht.
Dein Job ist auch Lebenszeit
Diese tolle Frau auf Sardinien wird mir noch lange in Erinnerung bleiben, denn sie brachte etwas Eigenes in ihre Arbeit. Ihre Herzlichkeit, ihre Liebe zur Stadt und ihren Wunsch, dass sich andere Menschen wohlfühlen. Das stand vermutlich nicht in ihrer Stellenbeschreibung, trotzdem war es da und vielleicht kannst du dir deshalb noch eine Frage stellen: Was möchte ich durch die Art, wie ich arbeite, für andere spürbar machen? Das können z.B. Verlässlichkeit, Freundlichkeit, Ruhe oder Menschlichkeit sein. Denn auch damit kannst du die Welt auf deine persönliche Weise ein Stück schöner machen.
Es lohnt sich, den eigenen Beitrag wieder zu sehen, denn wir verbringen so viele Stunden unseres Lebens mit Arbeit. Diese Stunden sind nicht einfach nur Zeit zwischen Montagmorgen und Freitagabend. Dein Job ist auch Lebenszeit.
Und manchmal ist genau das der kleine Unterschied zwischen nur funktionieren und wieder mehr Verbindung zu dir selbst und deiner Arbeit finden.
Wenn du dir wieder weniger Stress und dafür mehr Freude und Sinn zwischen Kalender, Kaffee und der nächsten E-Mail wünschst, dann begleite ich dich gerne mit persönlichen 1:1 Coachings. Buche dir einfach dein kostenfreies Kennenlern-Gespräch bei einem virtuellen Cappuccino.
Wenn du mehr lesen möchtest, könnte mein Blog-Artikel „Innere Antreiber – Warum du dich selbst so unter Druck setzt“ auch für dich interessant sein.


