Viele Menschen glauben, ständig beschäftigt zu sein und keine Pausen zu machen, bedeutet wichtig zu sein. Dauerstress gilt in unserer Arbeitswelt und Gesellschaft oft als Zeichen von Engagement, dabei ist er ein Warnsignal.
Auch ich habe lange Zeit unbewusst geglaubt, dass Tempo und Bedeutung zusammengehören bis mir eine einfache Abendrunde in Italien den Spiegel vorgehalten hat.
Dieser Artikel ist eine Einladung an dich, innezuhalten und neu zu entscheiden, was wirklich wichtig ist.
Ich bin wichtig! Warum Pausen machen kein Luxus, sondern Selbstfürsorge ist
Immer beschäftigt, immer in Hektik, keine Pausen machen und immer müde. Nicht wirklich schön. Oder? So war ich. Ich habe lange geglaubt, das wäre ganz normal bis mir eine ganz einfache italienische Tradition den Spiegel vorgehalten hat.
Dauerbeschäftigung ist für viele Menschen längst mehr als nur ein vorübergehender Zustand beruflich, aber auch privat. Wer viel Stress hat, ist wichtig. Wer viel und zügig arbeitet, gilt als engagiert. Wer Pausen macht oder Mal langsamer unterwegs ist, muss sich oft rechtfertigen, meist sogar vor sich selbst.
Doch dein Körper kennt diese Logik nicht. Er unterscheidet nicht zwischen wichtig und unwichtig, sondern nur zwischen Belastung und Entlastung.
Meine eigene Erfahrung mit Dauerstress und einer italienischen Tradition
Meine Passeggiata-Erkenntnis:
In Italien gehört die abendliche Passeggiata zum alltäglichen Leben: Menschen gehen langsam durch die Stadt, nebeneinander, plaudern, lachen, bleiben stehen, schauen, genießen.
Und ich?
Ich bin regelrecht durch die Stadt gehetzt. So als müsste ich irgendwo pünktlich ankommen. Während alle gemütlich nebeneinander liefen, war ich innerlich im Überholmodus und viel zu schnell unterwegs.
Und so wurde ich lachend, aber auch ein bisschen mitleidig von meiner Familie „ermahnt“: „Maaanuela, piano… langsamer. Wohin willst du? Kannst du nicht mehr genießen!“
Und diese Spiel wiederholte sich in den nächsten Tagen, nur dass sich das „piano“ jedes Mal einen Tick genervter anhörte.
Nun eines Abends kam es dann zu einer lauten „Diskussion“ mitten auf der Promende, weil ich natürlich auch genervt war von all den entspannten Genießern um mich rum und am meisten wohl von mir selbst.
Autsch. Aber auch heilsam. Nachdem ich mich beruhigt hatte, fing ich an, genauer hinzuschauen.
Italien hat mir den Spiegel vorgehalten:
Ich war so im Dauerstress, dass ich gar nicht mehr gemerkt habe, wie gehetzt ich durchs Leben ging.
Im Alltag fühlte sich dieses Tempo völlig normal an und, wenn ich ehrlich bin: Es gab mir sogar das Gefühl, wichtig zu sein. Wenn ich beschäftigt war, fühlte ich mich gebraucht und wertvoll. Kennst du das auch?
Und noch etwas sah ich in dem Spiegel: Ruhe hingegen machte mich unruhig. Lass diesen Satz mal sacken. Ruhe macht unruhig.
Heute verstehe ich auch, warum. Wenn es ruhig wird, wird es ehrlich. Dann hätte ich gemerkt, wie es mir wirklich ging. Ich hätte hinschauen und fühlen müssen.
Stress und viele To-dos können wunderbar ablenken, damit du nicht fühlen musst, was darunter liegt. Dabei wäre genau dieses Hinsehen und Fühlen eigentlich heilsam.
Verdrängung durch Ablenkung geht sogar ein Weile gut, bis dein Körper sich im Auftrag deiner Seele meldet. Zunächst ganz leise und wenn wir dann nicht zuhören, immer lauter. Vielleicht hast du diese Erfahrung auch schon gemacht.
Dauerstress ist kein Statussymbol. Er ist ein Warnsignal
Wir brauchen Rhythmus. Spannung und Entspannung so wie Ein- und Ausatmen. Wer dauerhaft nur einatmet, kippt irgendwann um. Und genau deswegen sind Pausen und Entschleunigung kein Luxus.
Vielleicht darfst auch du langsamer gehen und deinen Weg mehr genießen, so wie bei einer Passeggiata. Oder es ist an der Zeit, Mal genauer hinzuschauen, was unter deinem Stress liegt. Wie sieht es bei dir aus?
3 Journaling-Fragen für deinen „Passeggiata-Check“ zum Nachdenken:
- Wo läufst du innerlich gerade ein paar Schritte voraus, obwohl dich niemand jagt?
- Wobei könntest du öfters Mal „piano“ sagen, ohne dass etwas Schlimmes passiert?
- Was würdest du mehr wahrnehmen (in dir oder um dich herum), wenn du heute „mitgehst“ statt davonzueilen?
Pausen sind kein Luxus, sondern Selbstrespekt
Pausen zu machen und das Tempo Mal rauszunehmen, heißt nicht, dass du weniger engagiert bist oder deinen Wert verlierst. Und nein, du lässt dich auch nicht hängen. Im Gegenteil, du wirst danach wieder mit mehr Energie und motivierter deine Aufgaben erledigen, meist sogar produktiver als ohne Pausen und auf Dauer auch wesentlich gesünder.
Eine Pause zu machen heißt: „Ich nehme mich und meine Bedürfnisse ernst.“
Es gibt viele Möglichkeiten sich ohne großen Aufwand kurze Auszeiten zu gönnen wie z.B.
Die bewusste Pause (2 Minuten): stell dir einen Timer auf 2 Minuten. Atme. Entspanne deine Muskeln und geb dir innerlich die Erlaubnis „Ich darf jetzt nichts tun“
Genuss statt Multitasking: Such dir einen Moment am Tag, den du bewusst genießt, z.B. bei einem leckeren Cappuccino oder mit dem Gesicht in der Sonne. Nicht nebenbei, sondern ganz bei dir und ohne Handy und Ablenkung.
Falls es dir im Alltag schwerfällt, an dich und kleine Erholungspausen zu denken, helfen dir die „14 kleinen Momente, die den Arbeitstag leichter machen“ dabei.
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Fazit: Gelassenheit als Statussymbol schenkt die Erlaubnis, Pausen zu machen
Vielleicht darf dein neues Statussymbol Gelassenheit sein, bedeutet, dass du wie bei einer Passeggiata mal stehen bleibst, dass du atmest und dass du mitgehst, statt davonzueilen. Denn: „Du bist wichtig. Du darfst Pausen machen! Du darfst langsamer gehen“
So wie ich mittlerweile. Heute brauche ich kein „piano“ mehr von außen. Ich renne nicht mehr, denn ich bin schon angekommen. Bei mir.
Ein Gedanke zum Schluss: Ich schreibe diesen Artikel, weil ich in meiner Arbeit als Coach und in meinem eigenen Leben erlebt habe, wie eng wir Bedeutung mit Dauerleistung verknüpfen und wie wir versuchen, durch Dauerstress vor uns selbst wegzulaufen. Das ist uns oft gar nicht bewusst und vielleicht regt sich auch ein wenig Widerstand bei dir. Das ist in Ordnung. Aber vielleicht bringt es dich gerade deswegen auch zum Nach- und Neudenken.
Hier geht es nicht um Schuldzuweisung, sondern um verständnisvolles Hinsehen. Denn es gibt einen guten Grund, warum du noch so durch deine Leben rennst. Und du kannst das ändern.
Gelassenheit beginnt, wenn wir anfangen, uns wirklich zuzuhören und zu verstehen, was uns antreibt. Es ist immer leichter im Außen die Stress-Ursachen zu suchen statt nach Innen zu schauen. Aber meist liegt der Schlüssel zur Gelassenheit nicht in den äußeren Umständen, sondern in dir.
Und das sind auch die Dinge, die du verändern kannst, die innerhalb deiner Kontrolle liegen. Deine Gedanken, Gefühle und Handlungen dürfen zum Ausdruck von Selbstachtung werden.
Piano, piano
Du bist wertvoll, auch wenn du Mal langsamer gehst.
No stress
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